Projektregion Brahmaputra

In unseren Projekten in Asien steht immer wieder das Flußeinzugsgebietsmanagement im Zentrum der Untersuchungen. Eine besondere Rolle nimmt dabei der Brahamaputra ein.

LAGE

Der Brahmaputra entspringt im tibetischen Hochland, durchfließt unterschiedliche Kulturräume, hat dort jeweils andere Namen (Tsangpo-->Dihang-->Brahmaputra) und mündet nach 2900 Kilometern und einer Fließrichtungsänderung von fast 180 Grad gemeinsam mit dem Ganghes in den Golf von Bengalen.

HOCH- UND NIEDRIGWASSER

Während der Monsunzeit ist der Abfluss sehr hoch, in Indien bei Guwahati fließen 70000 m2/s durch das 1,6 Kilometer breite und ca 40 Meter tiefe Flussbett, im Mündungsdelta in Bangladesh sind es ca. 120000 m2/s. Im Gegensatz dazu wurden in der Trockenzeit auch Minimalabflüsse von ca. 1000 m2/s gemessen.

Verglichen mit den Flüssen mitteleuropäischer Regionen (mittlerer Abfluss des Rheins bei Köln ca 2100 m2/s) lassen diese Werte schon die Dimension dieses Stroms erahnen.
Hinzu kommt, dass der Lauf des Brahmaputras extrem veränderlich ist und damit für z.B. für die Schifffahrt nicht genutzt werden kann. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen:

  • Das Gefälle im Unterlauf des Brahmaputra ist sehr gering. So hat Guwahati eine Höhe von 49 m ü NN, von dort bis zur Mündung sind es aber noch ca. 600 Kilometer. Das heißt, das durchschnittliche Gefälle liegt unter einem Zentimeter pro Kilometer! In der Folge entstehen sehr viele Flußschlingen (Mäander), die ihre Lage sehr oft verändern.
  • Verstärkt wurde dieser Effekt durch mehrere starke Erdbeben (1782 und 1950) in deren Folge der Fluss sich immer weiter nach Süden verlagert.
  • Insbesondere das Erdbeben am 15.August 1950 hatte katastrophale Folgen. Bei einer Stärke von 8,6 wird das Flussbett in der Nähe von Dibrugarh um bis zu drei Meter angehoben. Gleichzeitig entstehen durch Erdrutsche zeitliche natürliche Talsperren, welche nachfolgend wieder brechen. Die Folge ist ein völlig neuer Flusslauf verbunden mit einer gigantischen Flutwelle von ca. sieben Metern.

    ZERSTÖRUNG UND LANDVERLUST

    Bedingt durch die Erosion, die Bodenzusammensetzung und die extrem schwankenden Pegelstände hat die Region mit großen Zerstörungen in Städten und Dörfern sowie einhergehendem Landverlust zu kämpfen. 

    Die Zahlen sind in der Tat dramatisch: Pro Jahr beträgt der Flächenverlust  ca. 120 km2, Millionen Menschen sind insbesondere in der Monsunzeit auf der Flucht.  An einigen Uferabschnitten arbeitet sich der Brahmaputra pro Jahr ca. 300 Meter in das Landesinnere und reißt Teeplantagen und andere landwirtschaftliche Nutzflächen mit sich.

    ZIEL

    Das Flussbett und der Abfluss des Brahmaputras sind zu mächtig für die klassischen Wasserbaumethoden wie z.B. dem Verbau von Spundwänden, dergleichen wurde in der Vergangenheit erfolglos versucht. 

    Hoffnungsvoll sind nachhaltige Ansätze, welche mittelfristig mit indischen Technologien und Baumaterial umgestzt werden können. Durch das Indian Institute of Information Technology (IIT) Roorkee wurden in der Vergangenheit entsprechende Technologien entwickelt und prototypisch im Einzugsgebiet des Ganges angewandt. Mittels sogenannter Jack-Jetty-Systems und Bamboo-Fences wird einerseits die Fließgeschwindigkeit an mittels hydraulischer Simulation berechneten Stellen verringert und gleichzeitig eine natürliche Sedimentation veranlasst.

    Im Ergebnis kann so die weitere Erosion gestoppt bzw. ansatzweise kontrolliert werden. Der Aufbau ist für den flächendeckenden Einsatz sehr arbeits- und materialintensiv, als Mittel um gezielt Städte, Dörfer oder Inseln zu schützen aber ein hoffnungsvoller erster Schritt.

    Um dieses Verfahren im größeren Maßstab anwenden zu können, sind neben der hydraulischen Modellierung auch umfangreich hydrologische Modellrechnungen notwendig. Diese wurden und werden von den Spezialisten der Universitäten München und Jena durchgeführt. Die gesamte Datenverwaltung obliegt der codematix GmbH.